Wahlprüfsteine des Urbane Praxis e.V. 2026
Pressemitteilung Berlin, Juli 2026
Im Vorfeld der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus richtet der Urbane Praxis e.V. seine Wahlprüfsteine an die demokratischen Parteien. Ziel ist es, die Positionen der Parteien zu zentralen Fragen der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung, kulturellen Infrastruktur und demokratischen Beteiligung transparent zu machen.
Grundlage der Wahlprüfsteine ist das 2025 veröffentlichte Policy Paper „Gemeinsame Forderungen für eine gerechtere, vielfältige Stadt“, das gemeinsam mit zahlreichen Akteur*innen der Berliner Stadtgesellschaft entwickelt wurde. Darin werden zentrale Herausforderungen und politische Handlungsfelder benannt, die aus Sicht des Vereins in der kommenden Legislaturperiode besondere Aufmerksamkeit erfordern. Die Wahlprüfsteine greifen diese Forderungen auf und übersetzen sie in konkrete Fragen an die Parteien.
Im Mittelpunkt stehen Themen, die für die Zukunft Berlins entscheidend sind: der Erhalt und die Sicherung gemeinwohlorientierter Räume, der Zugang zu bezahlbaren Flächen für Kultur und Zivilgesellschaft, demokratische Beteiligung an Stadtentwicklungsprozessen, der Umgang mit öffentlichem Eigentum sowie eine sozial gerechte und nachhaltige Stadtentwicklung. Die Fragen orientieren sich an fünf zentralen Handlungsfeldern – von Raumgerechtigkeit und Beteiligung über langfristige Förderstrukturen bis hin zu solidarischer Stadtentwicklung und konkreten Berliner Aushandlungsorten.
Urbane Praxis als politische Zukunftsaufgabe
Mit den Wahlprüfsteinen fordert der Urbane Praxis e.V. die Parteien ausdrücklich dazu auf, sich zur Urbanen Praxis als Bestandteil einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung zu positionieren.
Bislang findet sich der Begriff der Urbanen Praxis nur vereinzelt in den Wahlprogrammen – derzeit explizit bei Bündnis 90/Die Grünen.
“Auch Kultur gehört für uns zur Daseinsvorsorge und zur Stadtentwicklung dazu. (…) Wir
unterstützen Initiativen wie ‚Urbane Praxis‘ als Teil der kulturellen Stadtentwicklung und
fördern entsprechende Projekte.“
-Wahlprogramm Grüne Berlin 2026
(https://gruene.berlin/beschluesse/unser-wahlprogramm-kapitel-2_3764)
Der Verein möchte deshalb von allen demokratischen Parteien wissen, welchen Stellenwert Urbane Praxis, sowie die kulturelle Stadtentwicklung als solches künftig in der Berliner Stadtentwicklung einnehmen soll. Die Wahlprüfsteine verstehen sich deshalb nicht nur als Fragenkatalog, sondern auch als Einladung an die Parteien, ihre Vorstellungen einer demokratischen, kooperativen und gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung sichtbar zu machen.
„Mit dem Erhalt und der Förderung von Orten der Urbanen Praxis können die Berliner Parteien die Weichen für eine Stadt stellen, die Räume für niedrigschwellige, flexible Nutzungen erhält und den Bedarf an Orten für Begegnung, Kultur und gesellschaftliche Aushandlungsprozesse ernst nimmt.“
– Vorstand Urbane Praxis e.V.
„Raum als demokratisches Gut: Der Zugang zu Stadtraum ist Grundlage von Teilhabe und Meinungsfreiheit.“
– Grenzgänge e.V. (Policy Paper, 2025 Gemeinsame Forderungen für eine gerechtere, vielfältige Stadt)
„Die Stimmen, die am meisten zählen, sind jene, die von Machtstrukturen unterdrückt werden.“ – Feminist Spaces Collective (Policy Paper, 2025 Gemeinsame Forderungen für eine gerechtere, vielfältige Stadt)
Berliner Orte zeigen, worum es geht
Vertiefend zu den allgemeinen Wahlprüfsteinen ist die Kooperation mit Berliner Orten und Initiativen, an denen sich die aktuellen Aushandlungen um die Stadt von morgen exemplarisch zeigen ein weiterer Druckpunkt. Dazu gehören unter anderem Sorge ins Parkcenter, SEZ für Alle, Netzwerk Karstadt Leopoldplatz, Traumfabrik und das Tramdepot. Sie stehen stellvertretend für zahlreiche Projekte, in denen Bürger*innen, Initiativen und zivilgesellschaftliche Organisationen Verantwortung für ihre Nachbarschaften übernehmen und neue Formen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens erproben.
Mit den Wahlprüfsteinen und den darin enthaltenen bezirksspezifischen Fragestellungen zu den Orten, fordert der Urbane Praxis e.V. die Parteien auf, zu diesen Fragestellungen öffentlich Stellung zu beziehen. Die Antworten sollen Wähler*innen Orientierung geben und zugleich deutlich machen, welche Vorstellungen die Parteien für die Zukunft der Berliner Stadtentwicklung verfolgen.
Was sagen eigentlich die Parteien dazu?
Ein Blick in die Wahlprogramme zeigt: Alle Parteien sprechen über die Zukunft Berlins, doch die Vorstellungen darüber unterscheiden sich deutlich.
Während konservative Parteien vor allem auf beschleunigten Wohnungsbau, wirtschaftliche Entwicklung und effizientere Planungsverfahren setzen, rücken andere den Schutz bezahlbarer Räume, gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung, Beteiligung sowie eine stärkere Regulierung des Wohnungsmarktes in den Mittelpunkt. Der Urbane Praxis e.V. hat deshalb die Aussagen der demokratischen Parteien zur Berliner Stadtentwicklung ausgewertet und den Wahlprüfsteinen gegenübergestellt. Entscheidend wird nun sein, wie die Parteien auf die konkreten Fragen antworten und welche Rolle sie gemeinwohlorientierten Orten und der Urbanen Praxis in der kommenden Legislatur tatsächlich zuschreiben.
Die Auswertung der Parteiantworten wird der Verein nach Eingang veröffentlichen und der interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.
Material:
Link zu den Wahlprüfsteinen: https://www.urbanepraxis.berlin/wp-content/uploads/2026/07/Wahlpruefsteine-1.pdf
Weitere Informationen sowie das Policy Paper „Gemeinsame Forderungen für eine gerechtere, vielfältige Stadt“ sind unter folgendem Link abrufbar:
https://www.urbanepraxis.berlin/other/unsere-stadt-braucht-solidaritaet-statt-angstpolitik
Für weitere Informationen und Presseanfragen wenden Sie sich bitte an: kommunikation@urbanepraxis.berlin